Zum Inhalt springen
Zur Wissensdatenbank
Managed BACnet Administration 6 Min. Lesezeit Serie Managed BACnet Administration, Teil 3 von 6

Mandat statt Vollzeitstelle: Wie sich der Aufwand der BACnet-Administration verteilt

Warum lohnt sich für die meisten Betreiber keine interne Vollzeitstelle, und wie bleibt die Rolle trotzdem verbindlich besetzt?

Mandat statt Vollzeitstelle: Wie sich der Aufwand der BACnet-Administration verteilt

Wer die ersten beiden Teile dieser Serie gelesen hat, kennt die Ausgangslage: Die KBOB beschreibt den BACnet-Administrator als Funktion mit klaren Aufgaben, und diese Funktion läuft im Betrieb weiter. Die naheliegende nächste Frage stellen uns Betreiber fast immer: «Müssen wir dafür jemanden anstellen?» Die ehrliche Antwort lautet: in den meisten Fällen nicht. Dieser dritte Teil zeigt, wie der Aufwand über den Lebenszyklus verteilt ist, welche Modelle es für die Besetzung gibt und warum ein externes Mandat für viele Portfolios die passende Lösung ist. Und wir sagen auch, was ein solches Mandat bewusst nicht übernimmt.

Drei Wege, die Rolle des BACnet-Administrators zu besetzen: intern, gar nicht oder als externes Mandat.
Drei Wege, die Rolle des BACnet-Administrators zu besetzen: intern, gar nicht oder als externes Mandat.

Der Aufwand ist ungleich verteilt

Die Arbeit eines BACnet-Administrators fällt nicht gleichmässig an. Zu Beginn steht ein grösserer Block: Die bauherrenspezifischen Vorgaben müssen erarbeitet, die Nummernstruktur festgelegt und das bestehende Inventar erhoben werden. In vielen Portfolios ist dieser Schritt der aufwendigste, weil Daten aus verschiedenen Projekten, Herstellern und Jahrzehnten zusammengeführt werden müssen.

Danach ändert sich das Bild. Im laufenden Betrieb gibt es ruhige Phasen, in denen nur einzelne Geräte ersetzt oder kleinere Anpassungen dokumentiert werden. Und es gibt Spitzen: Ein Neubau startet, eine Sanierung geht in die Ausführung, zwei Integratoren arbeiten gleichzeitig am selben Standort, oder die IT plant eine neue Segmentierung. Dann braucht es schnell Adressbereiche, Prüfungen von Lieferdaten und Abstimmungen mit allen Beteiligten.

Der Aufwand über den Lebenszyklus: ein Aufbaublock zu Beginn, ruhige Betriebsphasen und Spitzen bei Projekten und Änderungen.
Der Aufwand über den Lebenszyklus: ein Aufbaublock zu Beginn, ruhige Betriebsphasen und Spitzen bei Projekten und Änderungen.

Genau diese Verteilung macht eine Vollzeitstelle schwierig. Eine Person, die nur für BACnet-Administration angestellt ist, wäre in ruhigen Phasen kaum ausgelastet und in Projektspitzen schnell an der Grenze. Wird die Aufgabe dagegen nebenbei einer bestehenden Stelle zugeteilt, rutscht sie im Alltag regelmässig nach hinten, bis das nächste Problem sie wieder nach vorne holt.

Drei Modelle im Vergleich

In der Praxis sehen wir drei Wege, wie Betreiber mit der Rolle umgehen.

Intern besetzt

Eine Fachperson in der Bauherrschaft oder im Facility Management übernimmt die Funktion. Das hat klare Vorteile: kurze Wege, direkter Zugang zu Gebäuden und Entscheidungsträgern, Wissen im eigenen Haus. Voraussetzung ist allerdings vertieftes BACnet-Wissen, das über die Bedienung einer Managementebene hinausgeht. Netzwerknummern, BBMD-Konfiguration, Device-Objekt und B-PAT gehören nicht zum üblichen Ausbildungsprofil im Facility Management. Dazu kommt das Klumpenrisiko: Verlässt diese Person das Unternehmen, geht ein grosser Teil des Wissens mit.

Nicht besetzt

Das ist in vielen Portfolios der heutige Zustand, oft ohne bewussten Entscheid. Die Integratoren vergeben die Adressen projektweise, die IT verwaltet ihre Netze, und niemand führt beides zusammen. Kurzfristig spart das Aufwand. Mittelfristig entstehen die Folgen, die wir in Teil 1 beschrieben haben: doppelte Device IDs, eine B-PAT nur pro Projekt und Wissensverlust bei jedem Integratorwechsel.

Als Mandat vergeben

Eine externe, herstellerneutrale Fachstelle übernimmt die Funktion im Auftrag der Bauherrschaft. Die Entscheidungen bleiben bei der Bauherrschaft, die operative Arbeit liegt beim Mandatsträger. Der Aufwand folgt dem tatsächlichen Bedarf, und das Wissen wird so dokumentiert, dass es unabhängig von einzelnen Personen bei der Bauherrschaft bleibt.

Warum Unabhängigkeit zählt

Ein Punkt wird bei der Besetzung oft unterschätzt: die Unabhängigkeit. Naheliegend wäre es, die Rolle dem Integrator zu übertragen, der ohnehin die meisten Anlagen betreut. Doch der BACnet-Administrator prüft gerade die Lieferungen der Integratoren. Er vergibt Adressbereiche, kontrolliert die Lieferdaten und gibt die B-PAT frei. Wer diese Prüfung bei sich selbst durchführt, steht in einem Interessenkonflikt, auch bei bester Absicht.

Unabhängigkeit als Grundsatz: Der BACnet-Administrator steht zwischen Bauherrschaft, IT und Integratoren und ist keinem Hersteller verpflichtet.
Unabhängigkeit als Grundsatz: Der BACnet-Administrator steht zwischen Bauherrschaft, IT und Integratoren und ist keinem Hersteller verpflichtet.

Dazu kommt die Herstellerneutralität. In gewachsenen Portfolios arbeiten oft mehrere Hersteller nebeneinander. Vorgaben, die auf ein Produkt zugeschnitten sind, erschweren jede künftige Ausschreibung. Ein unabhängiger BACnet-Administrator formuliert Vorgaben, die jeder qualifizierte Anbieter erfüllen kann, und hält so den Wettbewerb offen.

Die KBOB unterscheidet im Leitfaden übrigens ebenfalls zwischen den Funktionen BACnet-Administrator, GA-Fachplaner und GA-Unternehmer. Diese Trennung hat einen Grund: Wer plant, wer ausführt und wer die gemeinsame Infrastruktur verwaltet, sollen sich gegenseitig ergänzen und nicht überlagern.

Was ein Mandat konkret leistet

Ein Mandat für BACnet-Administration deckt die Aufgaben ab, die der KBOB-Leitfaden beschreibt, und übersetzt sie in einen geregelten Ablauf. Dazu gehören das Register der bauherrenspezifischen Vorgaben mit Versionierung, die zentrale Vergabe von Device IDs, Netzwerknummern und Adressbereichen, die Führung von B-PAT und Inventar sowie ein klarer Änderungsprozess für Betrieb und Projekte.

Je nach Portfolio kommen weitere Leistungen hinzu: die Koordination mehrerer Projekte und Integratoren, die Prüfung von Unterlagen und Lieferdaten, die Begleitung der Abnahme und ein geordnetes Abweichungsmanagement. Wie diese Leistungen in Stufen gegliedert sind, zeigt der nächste Teil dieser Serie.

Wichtig ist dabei die Rollenverteilung. Die Bauherrschaft bleibt Eigentümerin der Vorgaben und des Inventars und entscheidet über Freigaben. Der Mandatsträger bereitet vor, prüft, dokumentiert und koordiniert. So bleibt die Verantwortung dort, wo sie nach KBOB hingehört, und die Arbeit dort, wo das Fachwissen ist.

Was ein Mandat bewusst nicht übernimmt

Klare Grenzen: Was zum Mandat gehört und was bei Betreiber, IT und Integrator bleibt.
Klare Grenzen: Was zum Mandat gehört und was bei Betreiber, IT und Integrator bleibt.

Ein gutes Mandat ist auch an seinen Grenzen erkennbar. Wir sagen deshalb von Anfang an, was wir nicht übernehmen:

  • Betreiberpflichten. Die Verantwortung für den sicheren und gesetzeskonformen Betrieb der Anlagen bleibt bei der Betreiberorganisation.
  • IT-Sicherheits- und Cyberrisiko-Verantwortung. Diese liegt gemäss KBOB-Empfehlung IKT-Sicherheit bei der Betreiberorganisation und ihren IT-Sicherheitsrollen. Wir liefern Grundlagen wie Inventar und Netzwerkdaten, tragen aber nicht das Risiko.
  • Integration und Programmierung. Die Umsetzung in Automationsstationen und Managementebene bleibt Aufgabe der Integratoren.
  • Betrieb von Switches, Routern und Firewalls. Die aktive Netzwerkinfrastruktur betreibt die IT oder ihr Dienstleister.
  • Gewährleistung. Die Gewährleistung für gelieferte Anlagen bleibt beim jeweiligen Unternehmer.
  • Pikettdienst rund um die Uhr. Ein 24/7-Dienst ist nur Teil des Mandats, wenn er separat vereinbart wird.

Diese Abgrenzung schützt beide Seiten. Die Bauherrschaft weiss genau, wofür sie eine Fachstelle beauftragt, und keine bestehende Verantwortung wird stillschweigend verschoben.

Für wen sich ein Mandat besonders lohnt

Besonders sinnvoll ist ein Mandat dort, wo mehrere Gebäude, Projekte oder Integratoren zusammenkommen: bei öffentlichen Bauherren und Portfolios, bei Spitälern, Hochschulen und Campusarealen, bei Eigentümern mit vielen Liegenschaften und bei Betreibern, die eine Migration auf BACnet/SC planen. In all diesen Fällen ist die gemeinsame Infrastruktur zu gross, um sie projektweise zu verwalten, aber selten gross genug für eine eigene Vollzeitstelle.

Der rote Faden zu unseren Fachbeiträgen

Welche Warnsignale auf eine fehlende Rolle hinweisen, zeigt Teil 1 dieser Serie. Welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen die KBOB dem BACnet-Administrator zuweist, erklärt Teil 2. Und wie eine BACnet-Struktur von Beginn an sauber geplant wird, behandelt unsere Serie zur BACnet-Planung.

Fazit

Die Rolle des BACnet-Administrators muss besetzt sein, aber nicht zwingend mit einer eigenen Vollzeitstelle. Der Aufwand ist zu ungleich verteilt, und das nötige Fachwissen ist zu spezifisch, um es in jedem Portfolio intern aufzubauen. Ein unabhängiges, herstellerneutrales Mandat folgt dem tatsächlichen Bedarf, hält das Wissen bei der Bauherrschaft und lässt Betreiber-, IT- und Integratorverantwortung dort, wo sie hingehört.

Sie haben Fragen dazu?

Sie überlegen, ob die BACnet-Administration in Ihrem Portfolio intern oder als Mandat besser aufgehoben ist? Wir klären das gemeinsam im BACnet-Governance-Check und zeigen, welcher Umfang zu Ihrer Situation passt. Mehr dazu unter wenget.ch/services/bacnet-administrator/ oder über info@wenget.ch.

Quellenverzeichnis

  • KBOB Leitfaden zu KBOB Empfehlung BACnet Anwendung, Version 2.0, Juli 2021 (Kap. 4 Projektorganisation, Tabelle 5 und 6, Kap. 5 Verwalten von BACnet Inventar)
  • KBOB Empfehlung IKT-Sicherheit in der Gebäudeautomation, Version 1.0, Juli 2025 (Rollen und Verantwortung der Betreiberorganisation)
  • SN EN ISO 16484-5 (SIA 386.155): Datenkommunikationsprotokoll BACnet
  • Eigene Projekterfahrung der WENGET GmbH aus BACnet-Analysen, GA-Planung und Betriebsbegleitung
BACnet Facility Management

Feedback, Kritik, Lob oder Rückfragen?

Das können Sie auch über LinkedIn tun. Schreiben Sie uns auf unserer LinkedIn-Seite.

Zu WENGET auf LinkedIn

Passende Leistung

Managed BACnet Administration

Leistung ansehen

Sie haben eine konkrete Frage zu Ihrem Projekt?

Wir schätzen Ihre Situation gerne in einem unverbindlichen Erstgespräch ein.

Kontakt aufnehmen